Interview mit Leiterin beim DKFZ | dinamo.koeln Dampferblog

Ein positiver Wind weht uns vom (bisher einer der größten Dampfgegner) DKFZ entgegen:

 

Über die Hintergründe der Erkrankungen nach dem Konsum von E-Zigaretten wird gemutmaßt. Wie gefährlich die E-im Vergleich zur herkömmlichen Zigarette ist, darüber sprach Frank Zimmermann mit Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg.

 

BZ: Frau Mons, die E- gilt als "gesunde" Variante der normalen Zigarette. Stimmt das denn?
Mons: Es ist mittlerweile wissenschaftlicher Konsens, dass E-Zigaretten deutlich weniger schädlich sind. Das hängt damit zusammen, dass bei herkömmlichen Zigaretten Unmengen an Substanzen entstehen, darunter auch viele Schadstoffe, wenn Tabak und die ganzen Zusatzstoffe verbrannt werden. Das haben wir bei E-Zigaretten im Normalfall nicht. Denn es wird ja nichts verbrannt, sondern eine Flüssigkeit erhitzt, und sofern es nicht zu Überhitzung kommt, entstehen dabei nur wenige Schadstoffe. Was wir aktuell noch nicht genau sagen können, ist, wie viel weniger schädlich E-Zigaretten sind. Dafür bräuchten wir Langzeitstudien.
BZ: Die Liquids, mit denen die E-Zigaretten befüllt werden, enthalten sehr viele Stoffe. Welche gelten als besonders problematisch? Nikotin ist ja da auch drin, aber das wird es nicht alleine sein.
Mons: Zumeist werden E-Zigaretten mit Nikotin verwendet. Nikotin ist ein Suchtstoff, aber per se nicht sonderlich schädlich – er steht im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit auszulösen, aber auch das ist nicht wirklich sicher. Die Menschen rauchen herkömmliche Zigaretten wegen des Nikotins, aber sie erkranken und sterben an den ganzen Schadstoffen darin. Normale Zigaretten enthalten Tausende von Substanzen, darunter mindestens 250 toxische und rund 100 krebserzeugende, die vorwiegend beim Verbrennen entstehen. Bei E-Zigaretten ist allerdings noch nicht ganz klar, was ihre Inhaltsstoffe möglicherweise an Risiken mit sich bringen: Liquids enthalten vermutlich Substanzen, die die Atemwege reizen können; das könnte durch Entzündungsprozesse langfristig zu chronischen Lungenerkrankungen beitragen.
BZ: Ehemalige Raucher gehören zu den Hauptkonsumenten von E-Zigaretten. Steigt deren Zahl?
Mons: Ja, sie steigt tendenziell im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten, ist aber immer noch relativ gering. Der regelmäßige Konsum ist selten – auf die gesamte Bevölkerung bezogen sind das etwa drei Prozent. Und das sind eben größtenteils Raucher, gelegentliche Raucher und ehemalige Raucher. Es gibt nur ganz wenige, häufig jüngere Menschen, die nie vorher geraucht haben und dann auf einmal mit der E-Zigarette anfangen. Wobei der Trend bei jungen Menschen mittlerweile schon fast wieder vorbei ist.

BZ: Warum?

Mons: Jugendliche konnten E-Zigaretten früher legal kaufen, erst seit 2016 gilt dasselbe Alterslimit wie für herkömmliche Zigaretten und Tabakprodukte: Man muss 18 Jahre alt sein.
BZ: In den USA wurden seit Ende Juni 193 Erkrankungen gemeldet und ein Todesfall. Ist ein Zusammenhang denkbar?
Mons: Es ist schon ein bisschen verwunderlich, dass diese Fälle jetzt alle in einem engen Zeitraum auftreten, obwohl die Produkte in den USA schon seit bald zehn Jahren auf dem Markt sind und es vorher allenfalls Einzelfälle gegeben hat. Es gibt Hinweise darauf, dass Liquids verwendet worden sind, die vom Schwarzmarkt stammten, zum Teil wohl mit Cannabis-Bestandteilen. Ich würde sogar sagen, es ist fast wahrscheinlich, dass Produkte verwendet wurden, die irgendwie gepanscht und verunreinigt waren. Die Situation in Deutschland ist schon nochmal eine andere, weil hier und in der gesamten EU seit 2016 relativ strikte Verbraucherschutz-Regeln gelten. Man kann davon ausgehen, dass bei uns zumindest die Produkte aus dem Fachhandel relativ sicher sind. Dies sei verbunden mit der Warnung an Nutzer, möglichst keine anderen Substanzen in die Liquids zu mischen, die nicht vom Fachhandel bezogen wurden.

Ute Mons, 38, ist promovierte und habilitierte Gesundheitswissenschaftlerin und Leiterin der Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.
 
 
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